Berlin Finissage und Gespräch zur Ausstellung „Goldbach (Roșia Montană), Rumänien“ am 10. November 2018 um 19.00 Uhr Galerie Irrgang

Mit Bertram Kober

Samstag 10. November 2018 —
Samstag 10. November 2018

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Galerie,

in unserer derzeit laufenden Ausstellung in der Galerie Irrgang Berlin zeigen wir Arbeiten Bertram Kobers. In seinem jüngsten Fotoprojekt hat sich der Leipziger Fotograf mit der in den Westkarpaten gelegenen rumänischen Bergbausiedlung „Goldbach (Roșia Montană)“ beschäftigt und schreibt dazu:

„Roșia Montană – auf Deutsch GOLDBACH – ist ein uralter Bergbauort in Siebenbürgen, im Nordwesten Rumäniens. Heute lebt das Dorf in einem Zustand auf Abruf, in einem Dazwischen-Sein. Die Vergangenheit war seit der Antike vom Goldbergbau geprägt. Die Vorräte des kostbaren Edelmetalls gelten lange schon für den konventionellen Abbau als erschöpft. Sichtbare und erkundbare Zeugnisse der Bergbaugeschichte sind kilometerlange Stollen. Diese erstrecken sich in den Bergen rund um das Talbecken.

Als bekannt wurde, dass der staatliche Bergbaukonzern Rumäniens gemeinsam mit einem kanadischen Partnerunternehmen ein neues, gigantisches und massives Abbauprojekt plant, regte sich Widerstand in der Bevölkerung. Ein ganzer Bergrücken, direkt am Dorfrand gelegen, soll dem Vorhaben nach abgetragen, das Gestein zermahlen und aus dem zerkleinerten Material Goldspuren mit Cyanid ausgewaschen werden. Im Nachbartal würde ein See aus der chemischen Lauge entstehen. Wie das aussieht, ist bereits im buntschillernden Wasser des Sees, der sich neben dem riesigen Kupfertagebau, wenige Kilometer von Roșia Montană entfernt befindet, zu betrachten. Dabei ist der dort entstandene See bei Weitem nicht so stark mit Gift angereichert, wie es der „Goldsee“ dann wäre.

Mich erinnert der heutige Zustand von GOLDBACH, an die vielen Dörfer südlich von Leipzig, meiner Heimatstadt, die während der DDR-Zeit abgebaggert wurden und deren Bewohner dem Untergang ihrer Heimat nichts entgegensetzen konnten. Damals begegnete ich einem Ort, der bereits zur Hälfte von seinen Bewohnern verlassen worden war, weil sie dem Beschluss der Entsiedlung für die Bergbaufreiheit folgen mussten. Erst 1989 änderte sich auch in Sachsen die Situation. Die politische Wende in der DDR und folgend die Wiedervereinigung wandelten u. a. auch wirtschaftliche Interessen und Marktlagen. Der Braunkohleabbau im Leipziger Südraum erfuhr in jener Zeit sein Ende.

So wie heute in Roșia Montană prägten in der Nachwendezeit viele verlassene Häuser das Landschaftsbild. Das ehemalige Tagebaugebiet in der Nähe meiner Heimatstadt ist heute in einen interessanten, renaturierten Ausflugs- und Lebensraum umgewandelt worden. Wo die Reise in Siebenbürgen hingeht, ist noch offen. Meine Bilder schauen auf den traurig schönen Zwischenzustand – die Zukunftsmelodie klingt jedoch bereits düster hinein.“

Die über Monate andauernde Protestwelle im Jahr 2013, die auch international Beachtung fand, konnte die historisch bedeutende Bergbaulandschaft von Roșia Montană vor der Zerstörung und einer sehr wahrscheinlichen ökologischen Katastrophe bewahren. Das umstrittene Projekt des rumänisch-kanadischen Konzerns „Roșia Montană Gold Corporation (RMGC)“, dessen äußerst fragwürdigen Abbaumethoden auf Gesteinspulverisierung und Zyanitlauge basieren, konnte gestoppt werden.

Eine nachhaltige Entwicklung von Roşia Montană wäre – wie der internationale Rat der Denkmalpflege (ICOMOS) Anfang des Jahres 2018 auch empfohlen hat – nur durch die Aufnahme in die UNESCO-Weltkulturliste garantiert. Doch die sozial-demokratische Regierung Rumäniens scheint sich eher dem Druck des kanadischen Konzerns beugen zu wollen, als die eigenen kulturpolitischen Interessen zu verfolgen. RMGC, dessen zweifelhafte Pläne von der rumänischen Justiz stets behindert wurden, bedient sich jetzt einer schlagkräftigen Waffen von Investoren und verklagt den rumänischen Staat vor einem internationalen Scheidungsgericht um 4 Milliarden USD.

Eine juristische Entscheidung zugunsten des Konzerns könnte sich entweder zu einem finanziellen Desaster für das Land entwickeln oder in einem Schiedsspruch enden, der im Endeffekt die weitere Ausbeutung der Goldmine auf Kosten der Region und Bevölkerung bedeuten würde. – In jedem Fall ein fauler Kompromiss!

Am Samstag, 10. November 2018 endet die Ausstellung um 19.00 Uhr mit einem Gespräch, bei dem neben dem Künstler auch Akteure des Protests anwesend sein werden, um über den aktuellen Stand zu berichten.


Wir würden uns freuen, wenn Sie Interesse an unserer Veranstaltung hätten und möchten Sie hiermit ganz herzlich dazu einladen!

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Tobias und Hieronymus Wachter

Bertram Kober, Gottesacker, Digitalprint kaschiert auf Alu, verglast gerahmt

Bertram Kober, Gottesacker, Digitalprint kaschiert auf Alu, verglast gerahmt