coming soon: Berlin Willibrord Haas – Im Pathosmodus

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit möchten wir Sie bereits auf unsere für das Frühjahr 2021 geplante Ausstellung „Im Pathosmodus“ mit Arbeiten des Berliner Künstlers Willibrord Haas aufmerksam machen.

Mit herzlichen Grüßen und guten Wünschen für die Gesundheit

Ihre Sofia Budeva und Tobias Wachter

 

 

Die Aktmalerei hat in der Bildenden Kunst eine weit zurückliegende Tradition. An jeder Kunstschule lernen die Studierenden die anatomisch genaue Darstellung des menschlichen Körpers. Seit der Antike wurden männliche Modelle in heldenhaften Posen und ideal-athletischen Körpern abgebildet. Als man an Götter und Helden glaubte, war diese Idealvorstellung sicherlich vertretbar, doch in der heutigen Zeit entspricht sie nicht mehr dem allgemeinen Typus. Jeder Mensch hat seine Makel, seinen individuellen Charakter und seine eigene Körperform. Wir sind alle unterschiedlich – und genau dieses einzigartige Wesen versucht Willibrord Haas in seinen Akten einzufangen. Der Künstler wendet sich von Idealen ab. Er sieht in jedem Körper einen Reiz, unabhängig von Ethnie, Körpergröße oder -form. Der Mann muss nicht muskelbepackt und ein großes Glied haben, er kann Gefühle zeigen und seine weiche Seite nach Außen tragen. In den Gesichtern der abgebildeten Modelle sind diese Emotionen zu sehen. Halbnah porträtiert der Künstler die Männer, als würden die Betracher*innen als Voyeur durch ein Fenster schauen. 
Der Fertigungsprozess erstreckt sich in die Länge. Schon in den 1990er-Jahren fängt der Künstler an, die Modelle zu fotografieren. Inspiriert von den gewagten Schnappschüssen der amerikanischen Fotografen, in ersten Linie von Robert Mapplethorpe, versucht er die Natur des Mannes nach eigener Art umzusetzen. Doch setzt er nicht auf Fotorealismus, sondern auf starke Farbkontraste und schnelle Pinselstriche. “Der Prozess soll im Bild zu erkennen sein”, so der Künstler. Der Hintergrund ist undefiniert, der Körper nicht konturiert. Selten sind Objekte in einem Gemälde zu sehen. Der Fokus liegt ganz klar auf dem Modell, welches mit dem Raum zu verschmelzen scheint. Die Wahl zur Malerei liegt begründet auf der Liebe zur Farbe und starken Kontrasten. Haas’ Duktus ist schnell und ungehemmt. Und obwohl zwischen der jeweiligen Fotografie und dem Gemälde eine lange Zeitspanne liegt, hat man den Eindruck, dass diese Momentaufnahme nichts an ihrer Aktualität eingebüßt hat. 
Die Wahl zum überwiegend männlichen Modellen, hat unterschiedliche Gründe. Willibrord Haas ist fasziniert von der Ästhetik männlicher Körper, die Sexualität steht hierbei nicht zwingend im Fokus. Haas behauptet, dass die Liebe etwas geschlechtsloses sein solle. Man solle das Recht haben, die Person zu lieben, mit der man sich verbunden fühlt. Er liebte seine verstorbene Frau genauso wie er seine Modelle liebte und diese Liebe setzte er um in seiner Passion: der Malerei. Willibrord Haas malt wie er liebt: impulsiv, ungeplant und völlig frei, mit der Intention einen besonderen Moment auf Leinwand einzufangen. 

Sofia Budaeva

 

Willibrord Haas – Rücken im Pathos-Modus / Männlicher Akt – Öl auf Leinwand – 2019