Berlin Unser Highlight : Franz Skarbina | Droschken-Halteplatz

Freitag 01. Mai 2026 —
Sonntag 31. Mai 2026

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts verschlug es ambitionierte, reisefreudige Künstler nicht mehr nur nach Rom, sondern vermehrt auch nach Paris, um eine neue künstlerische Bewegung zu erleben, die das Licht in alarmierender Intensität durch die Farbe flimmern ließ. Die durch das sensitive Malerauge gefilterte, flüchtige Welt brach sich in pastosen Strukturen und für die Sinne fast schmerzhaft schönen Farbarrangements, die kraftvoll durch alle Gattungen vibrierten. Die seit 1874 als „Impressionisten“ deklarierten Bildner um Claude Monet, Auguste Renoir und Édouard Manet arbeiteten sich aber nicht nur an pittoresken französischen Landschaften ab, auch die rapide wachsende, schnelllebige Metropole wurde bezeichnendes Thema. Paris, anno 1878 (vier Jahre vor Berlin) durch Elektrizität verheißungsvoll illuminiert, bot mit seiner gärenden Halbwelt hervorragendes (und kurzweiliges) Motivmaterial.

Auch der 28-jährige Franz Skarbina (1849-1910) musste dem inneren Drängen nachgeben und sich 1877 – nach Stationen in Italien, Holland und Belgien – in die Wiege der „Modernité“ begeben, um den durch Adolph Menzel inspirierten und Julius Schrader vermittelten Realismus letztlich vollends abzulegen. Skarbina verkehrte in einschlägigen Etablissements wie dem „Café de la Nouvelle Athènes“, mischte sich unter die dort rege debattierenden Künstler, besuchte Theater, Nachtlokale und Salon-Ausstellungen, an denen er sich, von den Kritikern gelobt, regelmäßig beteiligte. Die Sehnsucht trieb den Maler 1882 und 1884 jeweils für ein Jahr nach Paris zurück, er perfektionierte seinen Stil und übertrug die malerische Freude am städtischen Leben mit großem Erfolg auf die Heimat. Seit 1888 an der Akademie der Bildenden Künste verdient als Professor installiert, unterhielt der Umtriebige in Berlin gleich zwei Ateliers, erfreute sich außerdem einer ausgezeichneten Auftrags- und Ausstellungslage.

Das hier vorgestellte Nachtstück kann zweifellos als Schlüsselwerk des farbstarken Stadtchronisten gelten, der seine technische Brillanz nicht nur in den hell leuchtenden, belebten Schau- und Wohnungsfenstern offenbart, sondern ganz besonders in den fein nuancierten und samtigen Dunkeltönen von Fuhrwerk und Strasse. Eine schwungvolle Ölskizze kleineren Formats wurde 2008 bei Bassenge versteigert. Die Besonderheit des gleich zweifach signierten Gemäldes erkannte im Übrigen auch der auf die Zeit um 1900 spezialisierte, sammelwütige Unternehmer Karl H. Bröhan, aus dessen Besitz die Arbeit stammt.

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