Berlin Gerhard Moll – Widerstand und Aufbruch

Mit Gerhard Moll

Freitag 28. April 2023 —
Samstag 10. Juni 2023

Verehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Galerie Irrgang,

zur Eröffnung der Ausstellung „Gerhard Moll – Widerstand und Aufbruch“ laden wir Sie und Ihre Begleitung am Freitag, dem 28. April 2023, um 18 Uhr ganz herzlich in unsere Räumlichkeiten nach Berlin ein.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen und verbleiben mit herzlichen Grüßen
Im Namen des Teams
Ihr Tobias Wachter

 

Die stilistische Kategorisierung der Malerei Gerhard Molls (1920 – 1986) entzieht sich einer klaren Zuordnung. Expressionistische, surrealistische und kubistische Bezüge lassen sich herstellen und wieder aufheben. Sein Lebensweg, sein Werk und die Rezeption dessen ist verwoben mit deutscher Geschichte:

Moll wurde 1920 in Berlin, Prenzlauer Berg geboren. Während seines Studiums an der Hochschule für Bildende Künste von 1939 bis 1945 lernt er Wolfgang Frankenstein und Waldemar Grzimek kennen, die eine lebenslange (Künstler-)Freundschaft verbinden sollte.

Als Moll 1942 die Einberufung zur Marine erhielt, simulierte er eine Schizophrenie und wurde in die Heilanstalt Stralsund eingewiesen. Diese Entscheidung der standrechtlichen Erschießung als Deserteur zu entgehen, barg die Gefahr der systematischen Ermordung durch „Euthanasie“ zum Opfer zu fallen. Nach einem mehrmonatigen Aufenthalt wurde er jedoch überraschend als „wehrunfähig“ entlassen. Die Erlebnisse in der Anstalt waren prägend und schlagen sich in seiner Malerei nieder. Gerhard Moll kehrte an die Hochschule in Berlin zurück und war weiterhin aktiv im Widerstand gegen das NS-Regime.

Nach Kriegsende war der Maler Moll Teil jener Bohème, die in einem ausgebombten Berlin Kunst neu definieren wollten. Er stellte 1948 in der Galerie Gerd Rosen aus und erlebte erste Erfolge und Auszeichnungen seiner künstlerischen Arbeit. Moll, der im westlichen Sektor der Stadt sein Atelier hatte, reagierte auf die zunehmend ideologisch geprägten Debatten der Kunstszene des besetzten Berlins mit Rückzug in sein Atelier. Seine Teilnahme an der Ausstellung »Künstler schaffen für den Frieden«, 1951 in Ost-Berlin, trug ihm nicht nur den Ausschluss aus der Künstlergemeinschaft »Der Ring« ein, sondern führte im Kalten Krieg auch dazu, dass er für lange Jahre an Westberliner Gruppenausstellungen nicht beteiligt wurde. Seine Tätigkeit als künstlerischer Assistent an der Akademie der Künste zu Berlin endete mit dem Mauerbau. Seit 1961 lebte und arbeitete Moll dann zurückgezogen als freischaffender Künstler in Berlin-Friedenau und war auf die Künstlerförderung des Landes Berlin (West) angewiesen.

Eine gebührende Beachtung erfuhr sein umfangreiches Werk bis zu seinem Tode im Jahr 1986 nicht. Erst nach der Wende wurden Teile seines immensen Nachlasses dank seiner Lebensgefährtin Jutta Zimmer in einigen Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Molls Wiederentdeckung war maßgeblich dem Kunsthistoriker Prof. Jörn Merkert, 1987 bis 2010 Direktor der Berlinischen Galerie, zu verdanken. In dem Katalog zur letzten Ausstellung in Berlin 1993 schrieb Merkert:

„Ein eigentümliches Werk! Das alles ist sehr privat, sehr persönlich, sehr verschlüsselt und zugleich sehr direkt, unverstellt und schutzlos.“ [1]

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[1] Prof. Jörn Merkert „Einsame Bilder des Welttheaters“. Aus dem Katalog (vergriffen): Gerhard Moll, Gemälde und Aquarelle, Galerie „Inselstrasse 13“ in Zusammenarbeit mit der Berlinischen Galerie, Museum für Moderne Kunst, Photographie und Architektur, Berlin 1993

 

(Text: Hannah Becker)