Berlin KARLHEINZ SCHÄFER : Schwarz-Rot-Gelb

Freitag 26. April 2024 —
Freitag 31. Mai 2024

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Galerie Irrgang,

wir freuen uns, Sie und Ihre Begleitung zum Besuch der Ausstellung Schwarz – Rot – Gelb von Karlheinz Schäfer in unsere Berliner Räumlichkeiten in der Friedrichstraße 232 einzuladen.

 

Wie A.R. Penck, Achim Freyer und Jürgen Schweinebraden gehört Karlheinz Schäfer (*1941) zur Avantgarde der ostdeutschen Kunst. Seine Werke verweigerten sich den Ideologien dieser Zeit. Sie sind Zeugnis eines autonomen Künstlerlebens in der DDR. Pappmaché und gefundene Kartonagen in geometrischen Grundformen zeugen von der Absage an den Menschen, der Unmöglichkeit eines freien künstlerischen Schaffens. Subtil spinnt der Künstler die Farben der deutschen Flagge als kritisches Moment in seine Werke ein. Sie stehen synonym für Tod, Liebe und Sonne.

Reste eines Grabes

1969 – 1973

Gips, gefundene Objekte, Naturmaterialien

Die Gips-Plastiken entstanden in dem von Karlheinz Schäfer und dessen Künstlerkollegen Achim Freyer gemeinsam genutzten Atelier im Wasserturm am Kollwitzplatz unweit der Untergrundgalerie EP Jürgen Schweinebraden in der Dunckerstraße im ehemaligen Ostberlin. Teile der Gips-Serie gingen bei der Räumung des Ateliers durch die Stasi nach 1972 wegen angeblicher baulicher Mängel verloren. Fotografien mit Atelier-Szenen sind die einzigen erhaltenen Dokumente dieser Plastiken.

Die im Gips eingeschlossenen Materialien verweisen auf die Einschränkungen des künstlerischen Schaffens in der DDR. In der Meisterklasse für Plastik bei Fritz Cremer (1967) an der Akademie der Künste fertigte Schäfer u.a. die Plastik „Stirn“ an. Sie ähnelt einem horizontal angeschnittenen Kopf, bleibt stark abstrahiert und liegt auch als Zeichnung vor. Geprägt vom DDR-Regime wendet sich Schäfer mehr und mehr von der menschlichen Darstellung ab, fragmentiert diese und lässt das Menschliche schließlich in der abstrakten Form verschwinden.

Buchobjekte

1974

 Farbige Papiere, Transparentpapiere und Filzpapiere (teils perforiert), Farbfolie, Farbstift, Negativfilmstreifen

In den 1970er Jahren widmete sich Karlheinz Schäfer verstärkt dem Buch als Objekt. Mit 18 Jahren las er Rainer Maria Rilkes „Auguste Rodin“ und war sein Leben lang davon beeinflusst. Literatur u.a. von Edgar Allan Poe und Friedrich Hölderlin wurde zu einem steten Bezugspunkt in seinen Werken.

In den Arbeiten aus Farbfolien ist Goethes psychologische Farblehre mit Hilfe des geschichteten transluziden Materials visualisiert. Als quasi hängendes Buch changieren die Buchobjekte zwischen dem klassischen Tafelbild an der Wand und dem eigentlich liegenden Buch, denn die Schichten und Seiten müssen geblättert werden, um das Werk als Betrachter vollends erschließen zu können.

Kartonobjekte

1970 – 1971

Gefundene Kartonagen (objets trouvés), Glanzpapier, Acrylfarbe, Gips, Draht, Textil, Stein

Karlheinz Schäfer nutzte auf den Straßen Berlins gefundene Kartonagen für seine avantgardistischen Kartonarbeiten, die an der Wand montiert sind oder auf dem Boden liegen. In der Galerie Schweinebraden stellte der Künstler 1976 unter dem Titel „Hommage an Robert Filliou“ erstmals seine Kartonobjekte aus und fand damit eine Alternative zu den zensierten Ausstellungen in Kulturhäusern. Hier erhielt er zudem augenfällige Anregungen durch Werke von Joseph Beuys. Werkstitel wie „Rednerpult“, „Eierschleuder“, „Pest“ und „kniefällig“ implizieren sowohl kritische als auch humoristische Aspekte der Arbeiten.

Gemälde

1977

Acryl auf Leinwand

Die Serie unbetitelter Gemälde greift die im Wasserturm-Atelier teils verloren gegangenen Gips-Skulpturen optisch auf und setzt der materialeigenen Farbe Weiß des Gips einen stark farbigen Kontrast entgegen. Karlheinz Schäfer arbeitete von 1964 bis 1966 als Steinmetz in Meißen. Seine Erfahrungen als Bildhauer übersetzt er in die Zweidimensionalität der Malerei und lotet die Grenze zwischen gegenständlichem Stillleben und Abstraktion aus.