coming soon: Leipzig Incerta – Doris Ziegler, Sabine Graf und Otto A. Lehmann

Freitag 12. Juli 2019 —
Samstag 17. August 2019

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Galerie Irrgang,

hiermit möchten wir Sie am 12. Juli 2019 um 19.30 Uhr ganz herzlich zu unserer Ausstellungseröffnung in die Galerie Irrgang nach Leipzig einladen. Unter dem Titel „Incerta“ präsentieren wir Ihnen Arbeiten der Leipziger Künstlerinnen Doris Ziegler und Sabine Graf.

Doris Zieglers teilweise erstmals gezeigte Malerei aus der Wendezeit ist der figürlichen Komposition und einer vielschichtigen Bedeutungsebene verpflichtet, deren Farbigkeit eine unbestimmte poetische Melancholie ausstrahlt. Trotz der Visualisierung einer deutlich lesbaren Gegenständlichkeit verweisen ihre Bilder auf das, was nicht zu sehen ist: auf eine Welt hinter den Dingen.
Diese Incerta – die Unsicherheit, die Ungewissheit, das (noch) nicht klar Erkennbare – umschließt Bilder, Malerin und Zeit zugleich. Denn die Künstlerin Doris Ziegler erlebte die Stagnation der letzten DDR-Jahre  sowie die Verschiebungen der Werte und Hierarchien beim Aufbruch in eine ungewisse Zukunft. Ihre in der Ausstellung gezeigten Arbeiten erweitern den Blick zurück auf die Zeit des politischen Umbruchs der Endachtziger und frühen 90er Jahre. (Doris Ziegler, Mai 2019)

Sabine Graf nähert sich dem Thema der Ausstellung von einer anderen Seite und beschreibt ihre Arbeiten so: Der Körper als Bühne. Wenn der Vorhang sich öffnet, die Haut zurückweicht, sich schält und zerreißt, Einblicke gewährt werden. Die Haut, das Kleid, der Körper, das Heim. Der wuchernde Körper, der wächst und sich ausbreitet, der da ist, sich zeigt. Der sezierte Körper, der bloß und verletzlich sich darstellt. Die Anatomie der Gefühle, welche wühlen, zerstören und wieder flicken. (Sabine Graf, Juni 2019)

Im Kabinett zeigen wir eine kleine Auswahl an Zeichnungen Otto A. Lehmanns. Nur wenig ist über den in München tätig gewesenen Grafiker bekannt. In einer in den Münchner Neueste Nachrichten vom 12. September 1917 veröffentlichten Kritik zur Ausstellung in der Galerie „Neue Kunst“ Hans Goltz mit Künstlern der ‚Neuen Secession‘ heißt es nur knapp, dass das „…Grausige in den Radierungen von Otto A. Lehmann nicht so überzeugt.“ Dagegen finden sich in der Simplicissimus Ausgabe Heft 3 von 1914/15 zwei Illustrationen, die aus unserer Sicht der Einschätzung des Kritikers wiedersprechen. Denn bereits diese kleinen Abbildungen zeigen, wie der Künstler Emotionen sicher zeichnerisch umsetzt. Die Verwandtschaft beispielsweise zu den phantastischen Zeichnungen Alfred Kubins ist unübersehbar.

Vor diesem Hintergrund sind die von uns wiederentdeckten Zeichnungen eine kleine Sensation: sie sind eine Ergänzung zu den o.g. Darstellungen und vermitteln ein eindrücklicheres Bild der Kunst Lehmanns. Mit kraftvollen, teils schroffen Linien schafft der Künstler düstere, expressive Bildwelten, in denen seine oftmals allein agierenden Figuren verängstig und verloren wirken. Die persönlich empfundene Unsicherheit oder Bedrängung durch die (Außen-) Welt, die in den Arbeiten Lehmanns als diffuse Dunkelheit dargestellt ist, wird unmittelbar erfahrbar und legt ein eindrucksvolles Zeugnis der herrschenden Gefühlswelt am Vorabend des 1. Weltkrieges ab.

 

 

Wir freuen uns sehr auf ihr Kommen.

Mit herzlichen Grüßen
Ihre Dirk Bolmerg, Victoria Hilsberg und Tobias Wachter