Berlin Unser Highlight : Brief August Riedel an Paul Emil Jacobs | Rom | 24. Januar 1855

Dienstag 01. September 2026 —
Mittwoch 30. September 2026

Im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert zog es junge Künstler stürmend, drängend und der Steifheit des heimischen Kunstakademiebetriebes überdrüssig, vermehrt in die ewige Stadt, wo nicht nur „la dolce vita“ mit seinen vielbesungenen, herrlichen Lichtspielen lockte, sondern auch das stete Bewusstsein um die Erhabenheit der Antike. In diese Wiege der Kultur verschlug es nun die Malerfreunde August Riedel (1799-1883) und Paul Emil Jacobs (1802-1866), beide hatten zusammen in München studiert, Italien bereist und lieben gelernt. Doch während Jacobs alsbald zurück nach Gotha ging, wo er sich als Bildnismaler etablierte, war Riedel gekommen um zu bleiben. Er mietete sich 1832 in einem Atelier in der Via Margutta ein, die im angesagten Künstlerviertel Roms lag, machte sich einen Namen als Porträtist (vor allem italienischer Damen) und war 1845 treibende Kraft bei der Gründung des Deutschen Künstlervereins.

Dass sich der umtriebige Bildner als hervorragender Netzwerker verstand, der immer wieder zwischen Kunstschaffenden und -förderern vermittelte, zeigt der hier vorgestellte Brief an den in Deutschland weilenden, oben erwähnten Freund: Im Jänner 1855 frohlockt die in Rom seit 1845 ansässige Wiener Bankiersgattin Emma Obermayer (geb. Goldstein) über ein just angekommenes, von Jacobs gemaltes Bild. Die kauffreudige Mäzenin hatte ihre Kinder jüngst von Arnold Böcklin im Zeichnen unterrichten lassen und durch ihre Investition in seine Werke für dessen frühe Bekanntheit gesorgt; beschäftigte außerdem den in Rom nicht ganz unbekannten Hauslehrer Bosino. Riedel berichtet weiter, dass (der um die Ecke lebende) Leopold Pollack gesundheitlich wieder „ganz der alte“ sei, außerdem von einer Party im Hause Obermayer, bei der die „Rebecca“-Skulptur des Thorvaldsen-Schülers Max Imhof aufgestellt worden war. Riedel selbst arbeite gerade an einem Porträt der Förderin, das als Gegenstück zu dem von Österreicher Karl Wurzinger gefertigten „Bildnis der beiden Mädchen“ (verm. der Töchter) fungieren soll. Den sonst ebenfalls in Gotha wohnhaften, aktuell in Rom weilenden, Malerfreund Richard Freytag hat Riedel im Verein getroffen, wo er vom Unwohlsein Jacobs erfuhr – der Brief endet mit einem Lob auf das kräftigende „Jodine“ sowie Grüßen an Frau und Kind.

Weitere Informationen und Preis auf Anfrage.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Irrgang Fine Arts-Team