Berlin Unser Highlight : Margarete Gerhardt | Sommer
Frisch leuchtet der sanfte Blauverlauf eines kleinen Weihers aus den sonnig gelbgrünen Saftwiesen und unter dem zarten Schatten einer mächtigen Kastanie hervor. In das kühle Nass treibt die Berliner Künstlerin Margarete Gerhardt (1878–1958) spaßende Kinder, die ihre helle Freude tanzend, forschend, sich umarmend und nach dem Bade wieder trocknend zeigen. Nichts unterbricht das unschuldige Spiel dieses als „Sommer“ treffend betitelten Farblinolschnitts im leichten Panoramaformat.
Margarete Gerhardt erhielt ihre Ausbildung bei Dora Hitz in der 1894 gegründeten Damenmalschule in Berlin und war nicht nur langjähriges Mitglied, sondern von 1933 bis 1936 auch im Vorstand des seit 1867 bestehenden Vereins der berliner Künstlerinnen. Da Frauen im 19. Jahrhundert nicht zu Kunstakademien zugelassen waren, bot der Verein unter anderem die Möglichkeit zu regelmäßigen Ausstellungen. Margarete Gerhardt zeigte dort bis 1942 jedes Jahr ihre Arbeiten. Dies war auch zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges entscheidend, um sich als Künstlerin über Werksverkäufe Einnahmen zu sichern. Zudem war sie wiederholt auf der Großen Berliner Kunstausstellung vertreten. Von 1895 bis 1897 lernte sie dann bei dem Historienmaler Ernst Wilhelm Müller-Schönefeld die Portraitmalerei. Der Grafiker und Drucker Hermann Struck weckte bei Margarete Gerhardt schließlich das Interesse am Medium der Druckgrafik. All diese Einflüsse übersetzte die Künstlerin gekonnt in ihre druckgrafischen und malerischen Werke und tarierte die Optionen der diversen Techniken für die Stile rund um die Jahrhundertwende aus.
Zart und fragil wie das feine Japanpapier des Handdruckes ist die Szene, bald vorbei das kindlich Unbedarfte, wenn das Erwachsensein Verhalten in koordinierte Bahnen lenkt. Die Künstlerin, die die Landschaft in der Regel ohne Figurenstaffage in den Fokus nimmt, rückt den Menschen hier ganz ins Zentrum und die Natur wird rahmendes Beiwerk. Die Körperschatten sind bewusst blau über beigem Hautton gedruckt, die Glieder spiegeln sich feinst im Wasser, Figur verbindet sich mit Natur. Der Stamm des großen Baumes agiert als dezentes Hindernis für den Betrachterblick. Denn wir wollen die Freude nur betrachten, nicht aber stören. Frei und froh sollen sie sein!
Diese Arbeit sowie weitere Gemälde, Papierarbeiten und Farblinolschnitte der Künstlerin finden Sie hier …
