Berlin Im Kabinett
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde unseres Kunsthandels,
parallel zur Ausstellung „Jungs“ zeigen wir im Kabinett einen Ausschnitt aus unserem Bestand an Aktzeichnungen, der sich über die vier Ausstellungswochen mehrfach ändert. Zu sehen ist dabei unter anderem dieser Rückenakt im Atelier eines unbekannten Künstlers.
Der Dargestellte ist jung, hat rabenschwarzes Haar und eine attraktive Kehrseite, auf der sich Licht und Farben in detailliertem Muskelspiel brechen – das perfekte Modell steht offensichtlich in Fensternähe. Der hervorragend gemalte, pastos binnenstrukturierte und stellenweise leicht anorganisch kolorierte Schöne nimmt etwa die Hälfte des Längsformats ein und gibt den Blick auf ein Atelier frei, in dem sich Staffeleien, Leinwände und Keilrahmen stapeln. Der zweifelsohne geschäftige Meister – vom Stil könnte man einen Berliner zwischen 1900 und 1920 vermuten – gibt sich weder über die Motive im Hintergrund zu erkennen, auf denen sich schwere Pigmentwolken ballen, noch über Signatur oder Stempel. Die Arbeit mag Studiencharakter haben, die Handschrift aber ist die eines Könners. Dreht man das noch originalgerahmte Werk um, zeigen sich am unteren Keilrahmenrand teils unleserliche Bleistiftannotationen u.a. der Name „Jacobi“, dem nach eingehender stilistischer Prüfung keine Urheberschaft mit einem Gleichbenannten zugedacht werden kann. Ob die schwer erkennbare „25“ unten links das Entstehungsjahr benennt, ist ungewiss, denn die vorstehende Notiz lässt sich kaum entziffern – an dieser Stelle sei nun der kunstsinnige Leser angesprochen, sich an der Entschlüsselung von Vermerken und stilistischen Eigenheiten zu beteiligen und die Identifizierung voranzutreiben…oder gar abzuschließen.
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